Am 6. August 2011 wurde zum ersten Mal der Wienereiner abgehalten. In der Ankündigung der Organisatoren wurde auf humorige Weise ein Szenario in Bildern dargestellt, das Ruderer zeigte, die mit dem Skiff beispielsweise in die Straßenbahn einsteigen wollten, oder im Teich vor der Karlskirche rudern.
Dadurch bin ich neugierig geworden und habe mich angemeldet, wobei ich erfahren habe, dass Heinz und Lisi Bachler mit von der Partie sind. So motiviert gingen wir daran die Vorbereitungen, wie den Anhänger zu organisieren und die Informationen über Abstellplätze und Einstiegstelle bei der Schleuse Nußdorf, am Brigittenauer Spitz, einzuholen. Die Frage, wie die Strömung des Donaukanals sei, die mehr oder weniger 5km/h beträgt, hat hier doch ein mulmiges Gefühl erzeugt. Die wildesten Gerüchte kursierten, etwa über einen Schlag, den man verspürt, wenn man vom ruhenden Gewässer der Schleuse in den Donaukanal fährt. Bis zum Start hieß es also locker bleiben, Tipps einholen und es ansonsten als die längste Schwimmstrecke der Rudergeschichte anzusehen. Dennoch herrschte eine leichte Grundnervosität am Start, wo schlussendlich 81 von 110 gemeldeten Sportlern auf das Startkommando warteten.
Ein Tiefschlag für mich war, als Willy Koska in seiner unnachahmlichen Weise am Vortag, als wir noch die Boote hinbrachten, schon am Wasser war und mit einem „Wahnsinn, das ist arg“ uns ganz schön irritierte. Als dann der große Moment kam und wir von Gabor Onuska, unserem Schiedrichter, gute Tipps bekamen, war für mich der so gefürchtete Schlag fast harmlos. Man sah zwar einige vor uns, die Backboard zu knapp bei der Ausfahrt waren und dann heftiger gegensteuern mussten, aber die meisten sausten geradeaus und dann ging‘s los. Im 30 Sekunden Takt wurden wir ins Rennen geschickt, dann war der letzte STAWler am Start. Während der Fahrt sah ich vor mir ein Passauer Kollege, den ich vielleicht einholen könnte, aber die Entfernung hat getäuscht. Am Ende waren es nur 11 Sekunden, die ich schneller war. Am Horizont kam ein rotweißgestreifter Punkt immer schneller auf mich zu und setzte zum Überholen an. Da erkannte ich den Ruderprofessor Haberl. Natürlich war er sehr besorgt, dass ich ihm auch genügend Raum für seine ruderischen Künste gebe. Der Donaukanal ist ja „nur“ 60 Meter breit und an mir Zwirnbladen musste er sich doch vorbeizwängen und sogar seine Fans am Ufer gaben fürsorglich Kommandos, auf welche Seite ich nun ausweichen soll. In meiner Ehrfurcht legte ich blatt und wartete bis seine Eminenz vorbeifuhr. In beachtlichen 18:48 wurde er in seiner Altersklasse F Erster und Gesamt 15. Ein Trainingsansporn für STAW?
Zu den Resultaten: Bachler Heinz wurde mit 21:01 Vierter in der E Klasse und 44 Gesamt. Lisi Bachler wurde sogar Erste (als Einzige, sie hat sich also selbst überholt und irgendwie auch doch nicht) in der Senior B bei den Frauen und in der Senior B Klasse mit den Männern zusammen 4. Und in der Gesamtplatzierung 51. Ich wurde mit 21:42 Achter.
Kollegen und Freunde aus anderen Vereinen wurden von uns mit Booten unterstützt. So war das erste STAW-Boot, welches die Ziellinie erreichte unter italienischem Kommando. Ebenso konnte Kurt Krenhuber von Pirat mit einem STAW Boot den Donaukanal bezwingen und in der AK 7 den siebten Platz belegen (gesamt 62).
Bei der Anlegestelle unterhalb der Hermannbar beim Central Garden war ein Floß angebracht, weswegen das Aussteigen stromauf zügig zu erfolgen hatte. Ein Teilnehmer nutzte die Wartezeit für ein kühles Bad ein anderer widerum wollte noch bis Bratislava weiterrudern. Dass der Donaukanal nach der Ziellinie weiterströmt und stehende Boote weiterschwaben, war vielen bis dato nicht bewusst. Somit fiel das Ausrudern doch heftiger aus, als erwartet.
Noch zu erwähnen wäre, dass auch die Organisation Adaptive Rowing vertreten war und Athleten im Doppelzweier die Strecke in Angriff nahmen und eine tolle Leistung lieferten.
Als Resümee ist zu sagen, dass sich alle Ruderer wacker geschlagen haben und die Organisatoren des RV Pirat ein tolles Event auf die Beine gestellt haben. Übrigens nächstes Jahr am 4. August 2012 ist die zweite Wienereiner Regatta, an der sicher noch mehr STAW Ruderer und Ruderinnen teilnehmen werden.
Ein Bericht von Wolfgang Vevera